20220117

Unsere Corona-Zeit – Eine Familienchronik Teil 1: März 2020 – Als sich alles änderte

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als mir klar wurde, dass das hier kein normaler Sturm im Wasserglas wird.

Es war März 2020. An einer Tankstelle in Coburg standen zwei Menschen mit Masken. Ich saß im Auto und habe sie angestarrt. Nicht weil ich sie verurteilte. Sondern weil ich zum ersten Mal das Gefühl hatte: das wird jetzt komisch hier.

Und so war es.

Was dann kam, war für unsere Familie keine Statistik. Kein Inzidenzwert, kein Pressebriefing, kein politisches Abstrakt. Es war konkret, es war laut, es war teuer – im wahrsten Sinne des Wortes. Es hat uns Geld gekostet, Nerven, Schlaf, Gesundheit. Und es hat Spuren hinterlassen, die bis heute nicht weg sind.

Meine Frau Katrin. Unsere Töchter Celine und Bianca. Unser Sohn Marc. Und ich. Wir alle haben diese Zeit anders erlebt. Und wir alle haben dafür bezahlt – auf unterschiedliche Art.

Was auf den folgenden Seiten steht, ist kein Angriff. Keine Verschwörungstheorie. Kein Rant eines Querdenkers. Es ist das, was wirklich passiert ist. Bei uns, in Weitramsdorf, im Landkreis Coburg, im Freistaat Bayern.

Ich habe die Unterlagen noch. Die Briefe, die Bußgeldbescheide, die Atteste, die Gerichtstermine, die Arztberichte. Ich habe die Fotos. Ich habe die Mails.

Und jetzt schreibe ich es auf. Nicht weil ich Recht haben will. Sondern weil es passiert ist.

Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.

Teil 2: Bianca – Die Tochter, die nicht mehr konnte

Es gibt Momente, die sich für immer einbrennen.
Für mich war es ein Abend im Oktober 2020. Ich kam nach Hause, ging ins Esszimmer – und fand meine Tochter Bianca am Tisch sitzen. Sie war fünfzehn Jahre alt. Sie wirkte völlig erschöpft. Dehydriert, rot und gleichzeitig blass im Gesicht, die Augen leer.

Teil 4: Marc – Neun Jahre alt, und das System dreht durch

Marc war neun Jahre alt, als Corona begann.
Neun Jahre alt.
Ich schreibe das nochmal hin weil ich möchte dass das sackt. Nicht fünfzehn wie Bianca, nicht achtzehn wie Celine. Neun Jahre alt. Grundschulkind. Ein Junge der Fußball spielen wollte, Freunde finden wollte, einfach Kind sein wollte.

Teil 6: Bernhard – Wenn der Staat zum Problem wird

Ich bin seit über 25 Jahren im öffentlichen Dienst. Straßenwärter, Verwaltungsbeschäftigter, Personalrat. Ich kenne Bürokratie. Ich kenne Vorschriften. Ich kenne den Unterschied zwischen Regeln die Sinn ergeben und Regeln die einfach da sind weil irgendwer sie aufgeschrieben hat.

Teil 3: Celine – Die Ausbildung, die einfach weg war

Celine war achtzehn Jahre alt, als Corona begann.
Sie hatte gerade den Schritt gemacht, den junge Menschen irgendwann machen: raus aus der Schule, hinein ins Arbeitsleben. Ausbildung zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk bei Edeka. Neuer Markt, neue Kollegen, Probezeit. Sie wollte einfach nur anfangen.

Teil 5: Katrin – Ausgesperrt aus dem eigenen Leben

Es gibt ein Foto von mir.
Ich sitze im Bett, schaue in die Kamera. Mein Gesicht ist gerötet, geschwollen, die Augen fast zugeschwollen. Ich sehe erschöpft aus auf eine Art die man nicht spielen kann.
Das ist kein Symbolfoto. Das bin ich. Das hat die Maske mit mir gemacht.

Teil 7: Schlussstrich – und was danach kommt

Es ist vorbei.
Nichts ist aufgearbeitet. Nichts ist vergeben. Und alles wurde archiviert – in den Akten, in den Köpfen, in den Familien die das durchgemacht haben.
Aber die Masken sind weg. Die Tests sind weg. Die Kinder gehen wieder zur Schule. Das Leben hat sich wieder normalisiert – zumindest nach außen.

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